| Pressemeldung | Nr. 080

Bischof Wilmer ruft an Pfingsten zu mehr Verständigung und Zusammenhalt auf

„Wir gehören zusammen – als eine Menschheitsfamilie unter Gottes Geist“

„Pfingsten ist der Moment, in dem Gott beginnt, die Welt zum Klingen zu bringen.“ – Mit diesen Worten hat Bischof Dr. Heiner Wilmer, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, in seiner Predigt am Pfingstsonntag (24. Mai 2026) im Hildesheimer Dom die verbindende Kraft des Heiligen Geistes in Kirche, Gesellschaft und Weltgemeinschaft beschrieben. Dabei warb er für ein Miteinander, das Vielfalt nicht als Bedrohung, sondern als Gabe verstehe.

Ausgehend vom ersten Korintherbrief erinnerte Bischof Wilmer daran, dass Verschiedenheit kein Hindernis, sondern eine Gabe Gottes sei. „Es gibt verschiedene Gnadengaben, aber nur den einen Geist“, zitierte er den Apostel Paulus. Der Heilige Geist wirke nicht als Kraft der Gleichmacherei, sondern ermögliche ein fruchtbares Miteinander unterschiedlicher Stimmen und Perspektiven.

Mit dem Bild eines Orchesters beschrieb er das Wesen christlicher Gemeinschaft. Wie eine Sinfonie aus vielen Instrumenten entstehe, so brauche auch die Kirche die Vielfalt ihrer Mitglieder. „Einheit ist nicht Gleichklang – Einheit ist Zusammenklang“, sagte Bischof Wilmer. Eine Kirche, die nur eine Stimme dulde, verliere ihre Weite; eine Gesellschaft, die Vielfalt fürchte, verliere ihre Zukunft.

Mit Blick auf gesellschaftliche Polarisierung, internationale Konflikte und globale Ungerechtigkeit sprach sich der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz für ein neues Bewusstsein gegenseitiger Verantwortung aus. „Weder Deutschland noch Europa dürfen und können sich alleine retten. Wir sind keine Inseln. Wir sind ein Leib“, betonte er. Krieg, Hunger und Ungerechtigkeit beträfen die gesamte Menschheitsfamilie und erforderten gemeinsames Handeln.

Pfingsten sei deshalb kein Wunder der Vereinheitlichung, sondern ein „Wunder der Verständigung“. Der Geist Gottes ermögliche es, Unterschiede auszuhalten, einander zuzuhören und Spannungen konstruktiv zu tragen. „Der Geist Gottes schreit nicht – er verbindet. Er zwingt nicht – er bewegt. Er nivelliert nicht – er verwandelt“, so Bischof Wilmer. Zum Abschluss seiner Predigt unterstrich er die Hoffnungsperspektive des Pfingstfestes: „Wir sind viele – und doch ein Leib. Wir sind verschieden – und doch vom einen Geist durchatmet. Und wir gehören zusammen – als eine Menschheitsfamilie unter Gottes Geist.“
 

Hinweis:

Die Predigt von Bischof Dr. Heiner Wilmer ist untenstehend als PDF-Datei verfügbar.