| Pressemeldung | Nr. 035
XIX. Tagung Illegalität in Berlin beendet
© Santiago Casal
Die XIX. Tagung Illegalität ist heute (12. März 2026) in Berlin zu Ende gegangen. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand die Frage, was Akteure aus Kirche und Gesellschaft tun können, um die Lage von Menschen ohne regulären Aufenthaltsstatus in Deutschland zu verbessern. Veranstalter sind das Katholische Forum Leben in der Illegalität, die Katholische Akademie in Berlin und der Rat für Migration. Die Tagung findet alle zwei Jahre statt und widmet sich den Rechten von Menschen in der aufenthaltsrechtlichen Illegalität sowie ihren prekären Arbeits- und Aufenthaltssituationen.
Der Vorsitzende des Katholischen Forums Leben in der Illegalität, Weihbischof Ansgar Puff (Köln), betonte in seinem einleitenden Impuls: „Wir bestreiten nicht die politische und rechtliche Notwendigkeit, Migration zu regeln und zu ordnen. Dabei darf niemals aus dem Blick geraten, dass jeder Migrant und jede Migrantin – unabhängig vom Aufenthaltsstatus – in erster Linie ein Mensch ist. Und als Menschen sind sie Träger von bestimmten unveräußerlichen Rechten, die man ihnen nicht einfach aus migrationspolitischen Motiven verwehren kann.“ Wenn Menschen wegen ihres Aufenthaltsstatus um ihr Recht auf Bildung und Gesundheit gebracht werden, dürfe uns das nicht gleichgültig lassen. Es gelte, ihre Menschenwürde zu verteidigen.
Zu Beginn der Tagung informierte Prof. Dr. Jürgen Bast (Justus-Liebig-Universität Gießen) über die aktuellen rechtlichen Entwicklungen zu illegal aufhältigen Migranten. Mit Blick auf jüngste Entwicklungen in Spanien regte er an, auch in Deutschland über mögliche Wege der Regularisierung arbeitender Migranten nachzudenken. Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Kirche, Nichtregierungsorganisationen, Wissenschaft, Verwaltung und Politik diskutierten anschließend in Foren und Workshops unter anderem den Zugang zu Bildung für betroffene Kinder und Jugendliche sowie die Schwierigkeiten bei der Erhebung belastbarer Daten zu Menschen in der aufenthaltsrechtlichen Illegalität.
Am Abend stand der Nationale Aktionsplan gegen Arbeitsausbeutung und Zwangsarbeit (2025) der Bundesregierung im Mittelpunkt einer Podiumsdiskussion mit Vertretern der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, der Gewerkschaft Ver.di und der Organisation Arbeit und Leben Berlin-Brandenburg. Weihbischof Puff erklärte dazu: „Der Nationale Aktionsplan ist ein erster wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Wir werden beobachten, ob und wie er umgesetzt wird, und uns an der Diskussion auf der Grundlage unserer Erfahrungen beteiligen. Besonders interessiert uns natürlich, ob der Aktionsplan Menschen, insbesondere illegal aufhältigen, hilft, ihre Rechte wahrzunehmen, Ausbeutung effektiv zu verhindern und Opfer zu schützen.“
Die Tagung war zugleich Teil des Abschlusses des EU-geförderten Forschungsprojekts I-CLAIM, das sich mit den Lebens- und Arbeitsbedingungen migrantischer Haushalte mit irregulärem Aufenthaltsstatus befasst. Der deutsche Forschungsbeitrag wurde von Prof. Dr. Bastian Vollmer (Katholische Hochschule Mainz) koordiniert, der an der Tagung mitwirkte. Das Katholische Forum Leben in der Illegalität ist als zivilgesellschaftlicher Partner an dem EU-Projekt beteiligt. In einem englischsprachigen Panel wurden außerdem die aktuellen Ergebnisse aus diesem sowie aus den weiteren Forschungsprojekten MIrreM (Measuring Irregular Migration, Dr. Franck Düvell, Universität Osnabrück) und Dignity Firm (Dignity for Migrant Workers in Farm to Fork Labour Markets, Dr. Blanca Garcés Mascareñas, Barcelona/Spanien) zu illegal aufhältigen Migranten vorgestellt. Erste Empfehlungen der Experten, die diese aus den Forschungsergebnissen ableiten, wurden in einem eigenen Workshop diskutiert und sollen laufend weiterentwickelt werden.
Den zweiten Tag der Tagung beschloss ein Panel zum Zugang zur Gesundheitsversorgung für Menschen in der aufenthaltsrechtlichen Illegalität sowie weitere Personen ohne Krankenversicherung. Dr. Maike Grube (Diakonie Deutschland) erläuterte dabei unter anderem mögliche Auswirkungen und Verbesserungen der geplanten Reform der Notfallversorgung auf diese Gruppen.
Hintergrund
Das Katholische Forum Leben in der Illegalität wurde 2004 auf Initiative der Migrationskommission der Deutschen Bischofskonferenz gegründet. Es setzt sich dafür ein, dass Menschen ohne regulären Aufenthaltsstatus in Deutschland ihre grundlegenden sozialen Rechte wahrnehmen können, ohne eine Abschiebung befürchten zu müssen.
Träger des Forums sind neben der Migrationskommission der Deutschen Bischofskonferenz der Deutsche Caritasverband, die Katholische Arbeitsgemeinschaft Migration, der Malteser Hilfsdienst und der Jesuiten-Flüchtlingsdienst.
Hinweise:
Der Impulsvortrag von Weihbischof Puff ist untenstehend als PDF-Datei verfügbar.
Weitere Informationen sind unter www.forum-illegalitaet.de zu finden.
